Siegendorf wurde 1270 von den Grafen zu Castell an das Kloster Ebrach
abgetreten. Eine merkwürdige Rechtsaffaire spielte sich im späten 16.
Jahrhundert zu Siegendorf ab: Eine Bäuerin hatte im Jahr 1556 durch Leichtsinn
einen Brand verursacht, dem nicht nur ihr eigenes, sondern auch drei benachbarte
Anwesen zum Opfer fielen. Zur Wiedergutmachung mußte die Schadensstifterin den
Nachbarn ihre sämtlichen Wiesen und Äcker abtreten.
Zwei Generationen später, im Jahre 1590, erhoben ihre Enkelkinder
Anspruch auf die seinerzeit abgetretenen Güter. Da es zu keinem gütlichen
Vergleich kam, terrorisierten die beiden Brüder zwei Jahre lang das Dorf und die
ganze Umgebung. Sie zündeten Flachshäufen und Getreide auf den Feldern an,
steckten die Scheunen in Brand, schossen die Pferde nieder und überfielen
Ortsbürger und Fremde. 1593 wurden die Übeltäter verhaftet und am
21.7.1593 zu Würzburg mit dem Schwert hingerichtet.